Nerven bewahren, wenn der Gegner mit dem Hammer unterwegs ist

Es war ein Kollege von mir, der mich vor ein paar Wochen fragte: „Warum muss man denn immer erstmal mit dem Hammer auf den Kollegen hauen?“ Ein bisschen erschöpft sah er aus nach einem Tag mit langer Gerichtsverhandlung und ich habe mich etwas gewundert. Weil ich weiß, dass er Verhandlungen mag, auch selbst sehr gern mal austeilt und in seinem Element ist, wenn es hoch hergeht.

Der Kampfmodus gehört ja ein bisschen dazu in unserem Job und auf irgendeine sportliche Art und Weise mögen das viele von uns, es wird Adrenalin ausgeschüttet und es werden Energiereserven freigesetzt, wir fühlen uns stark und lebendig und haben idealerweise das, was wir als positiven Stress wahrnehmen. Der wiederum mit Glückshormonen einhergeht und uns am Ende des Tages müde aber doch oft auch irgendwie froh oder stolz zurücklässt.

 

Wer kämpft denn gegen wen?

Die Auseinandersetzung über juristische Feinheiten ist das eine – das scharfe Argumentieren, das Präsentieren der passenden BGH-Entscheidung, das Finden der Lücke im Schriftsatz des Gegners oder gar im Gesetz. Und natürlich gehört in unseren Schreiben und erst recht beim persönlichen Aufeinandertreffen, sei es vor Gericht oder in außergerichtlicher Verhandlung, immer auch eine Portion Show für den Mandanten dazu. Wenn der Streit der Parteien aber auch auf eine persönliche Ebene unter den beteiligten Jurist*innen gezogen wird, ist häufig einfach Erschöpfung die Folge. Einige Kolleg*innen haben sich ein dickes Fell zugelegt und ignorieren derartige Aussetzer, andere sind immer wieder fassungslos und verlieren den Spaß an ihrem Beruf.

 

Wie können wir uns davor schützen, die Lust am Anwaltsleben zu verlieren?

Die größte Unterstützung sind wir meistens selbst mit unseren Gedanken. Und da hilft es sehr, die einmal genau anzusehen und die innere Gedankenspirale zu stoppen, die uns nach irgendeiner Verbalattacke anderer Beteiligter auch noch selbst erzählt, dass wir anscheinend für den Fall nicht schlau genug oder erfahren genug oder überhaupt im falschen Beruf gelandet sind. Stattdessen sollten wir uns an die einfache Wahrheit erinnern, dass das, was ein Mensch zu und über uns sagt, immer mehr mit eben diesem Menschen zu tun hat als mit uns selbst. Dass sehr häufig irgendein Druck weitergegeben wird, den diese Person eben gerade hat, sei es durch die unterlegene Rechtsposition, anstrengende Auftraggeber oder auch irgendeinen Ärger völlig außerhalb des Verfahrens. Nicht umsonst ist zu beobachten, dass Beleidigungen oder pauschale Rundumschläge neben der Sache gerade dann gehäuft auftreten, wenn die Erfolgsaussichten für die rechtliche Argumentation eher gering sind. Deshalb machen wir uns diese Situationen sehr viel leichter, wenn wir sie gar nicht erst persönlich nehmen.

 

Zwei Alternativen zum Gegenschlag

Wenn wir uns dessen bewusst sind, dass es nicht um uns persönlich geht, sind wir auch eher in der Lage, andere Handlungsoptionen zu ziehen als den Gegenschlag. Der zwar die Situation eher eskalieren lässt, inhaltlich aber häufig nicht weiterführt. Probieren Sie doch mal diese:

  • Kurze Pause
  • Wechsel auf die Metaebene

Kurze Pause

Um ein paar Minuten Unterbrechung können wir meistens bitten, auch in Gerichtsverhandlungen zur Erörterung mit der eigenen Partei oder zum Klären von Detailfragen. Die Dynamik des Gespräches wird damit unterbrochen und wir können dies nutzen, um kurz Luft zu holen. Somit schaffen wir uns selbst Platz für eine kurze Reflexion, können überlegen auf welche Punkte sich eine Erwiderung lohnt und im Übrigen dann raushüpfen aus einer überflüssigen Rechtfertigung des eigenen Verhaltens und zurückkehren auf die Sachebene.

Wechsel auf die Metaebene

Entweder direkt oder auch in Kombination mit einer kleinen Pause zuvor hilft auch der Wechsel auf die Metaebene. Ein kurzes Gespräch darüber, wie die Verhandlung weitergeführt werden soll. Wie wollen wir miteinander reden? Das kann die Verständigung darüber sein, für den Rest des Gespräches ohne persönliche Beleidigungen auszukommen. Es kann auch eine tatsächliche Vereinbarung über Regeln sein, wie das gegenseitige Ausredenlassen oder welcher Zeitrahmen der Sache nun noch gegeben werden soll und wie dieser gefüllt wird. Lassen Sie sich überraschen – bei solchen Wechseln in die Vogelperspektive erhalten wir manchmal überraschende Hinweise dazu, was bei unserem Gegenüber sein Verhalten ausgelöst hat und wir können einiges lernen. Und auf einer professionellen Ebene weiterverhandeln.

 

Hart in der Sache

Wir werden weiter harte Verhandlungen führen, natürlich, denn häufig werden wir eingesetzt in verfahrenen Situationen und da hilft es auch nicht weiter, diese weichspülen zu wollen. Aber unsere Kolleg*innen respektvoll und freundlich behandeln können wir immer und die Gegenseite übrigens auch. In der Sache klar zu sein und sich auch mal keinen Millimeter zu bewegen, kann einhergehen mit einem wertschätzenden Umgang untereinander. Einen Hammer brauchen wir dazu gar nicht und das können wir ruhig weitersagen.